Zinsen der Lebensversicherungen sinken deutlich

Einst waren sie der Stern am Himmel der Finanzwelt: Die Lebensversicherungen. Vorsorge für den Todesfall und die damit verbundene Absicherung der Hinterbliebenen, ein stattliches Sümmchen, das im Alter ausgezahlt wird, hohe Garantiezinsen und attraktive Überschussbeteiligungen – all das verleitete die Menschen dazu, eine Lebensversicherung abzuschließen. Doch wird diese ab dem kommenden Jahr einen erheblichen Dämpfer in ihrer Beliebtheit erreichen, denn die Versicherungen sind von der Krise genauso gebeutelt, wie viele Staaten oder Unternehmen.

Deutliche Senkungen bei den zehn größten Lebensversicherern

Dem Handelsblatt ist zu entnehmen, dass die zehn größten Versicherungen in Deutschland ab kommendem Jahr die Überschussbeteiligungen deutlich absenken wollen. Im Branchendurchschnitt liegen diese bei 4,3 Prozent, ab kommendem Jahr wollen die zehn größten Anbieter ihre Kunden nur noch mit durchschnittlich 3,8 Prozent bedienen. Wie die Veränderungen im Einzelnen aussehen, zeigt folgende Tabelle:

Versicherungskonzern

Überschussbeteiligung

 

2011

2012

 

 

 

Aachen Münchener

4,2 %

4,2 %

Allianz

4,1 %

4,0 %

R+V

4,1 %

3,85 %

Ergo

4,0 %

3,8 %

Axa

4,0 %

3,8 %

Zahlreiche der kleineren Versicherungsgesellschaften stellen sich aber gegen diesen Trend und kündigten an, ihre Überschussbeteiligungen in 2012 anzuheben und dabei die Zahlen der größten Versicherungskonzerne sogar deutlich zu übersteigen.

Gründe für die sinkenden Überschussbeteiligungen

Die sinkenden Überschussbeteiligungen sind unter anderem auf die extrem geringen Kapitalmarktzinsen zurückzuführen, die die Wirtschaft, den Sparer und genauso die Versicherungskonzerne seit der Wirtschaftskrise plagen. Die Renditen der Versicherungsgesellschaften werden aufgrund der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt deutlich abgesenkt. Aber auch die Euro-Schuldenkrise macht sich bemerkbar. Die stark im Wert gefallenen Kurse der Staatsanleihen, vor allem südeuropäischer Länder, machen den Assekuranzen zu schaffen.

Ebenfalls gibt es seit kurzem verschärfte Vorschriften zum Eigenkapital der Versicherungskonzerne, die berücksichtigt werden müssen und Renditen schmälern. Sogar die Branchenaufsicht der EU, die EIOPA, hatte bekannt gegeben, dass in ihrem Stresstest acht europäische Versicherungskonzerne durchgefallen waren.

Garantiezinsen werden gesenkt

Dass die Überschussbeteiligungen bei Lebensversicherungen sinken, ist die eine Seite. Da diese aber ohnehin keine feste Größe für den Verbraucher darstellen, ist hier mit Veränderungen sowieso zu rechnen. Anders sieht es bei den Garantiezinsen aus, die sogar von staatlicher Seite aus festgelegt werden. Hier gibt es ab 2012 ebenfalls deutliche Absenkungen. Der Garantiezins betrug im Jahr 2011 noch stolze 2,25 Prozent und konnte damit zumindest mit den sehr guten Tagesgeldangeboten der Banken gleichziehen. Ab dem kommenden Jahr wird dieser auf 1,75 Prozent abgesenkt. Der Garantiezins wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt und wurde einst eingeführt, um die Versicherungskonzerne daran zu hindern, sich gegenseitig zu unterbieten.

Die Branche der Versicherungen kann hier natürlich auch eigene Wünsche äußern und so ist es nicht verwunderlich, dass sich fast alle großen Versicherungskonzerne mit Händen und Füßen gegen die Absenkung des Garantiezinses wehrten. Schließlich war und ist er einer der wichtigsten Verkaufsargumente für eine Lebensversicherung, da er für die gesamte Laufzeit selbiger gewährt wird. Die Senkung des Garantiezinses ist übrigens die erste seit 2007, also vor der großen Wirtschaftskrise.

Was sollten Verbraucher beachten?

Für Verbraucher sind dies alles reine Hiobsbotschaften. Wer jedoch bereits seit längerem eine Lebensversicherung hat, muss sich keine Sorgen machen. Denn grundsätzlich bleibt der einmal vereinbarte Garantiezins auch langfristig erhalten. Bestandsverträge sind von den Absenkungen somit nicht betroffen. Das gilt jedoch nur für den staatlich festgelegten Garantiezins, nicht jedoch für die Überschussbeteiligungen, die die Versicherer aus ihren Erträgen finanzieren.

Verbraucherschützer warnen indes davor, sich noch schnell vor Jahresende eine Lebensversicherung zuzulegen, die die begehrte Verzinsung von 2,25 Prozent langfristig anbietet. Unüberlegte Entscheidungen sollten insbesondere im Bereich der Lebensversicherung unbedingt vermieden werden. Langfristig führen diese nämlich nur dazu, dass eine falsche Entscheidung getroffen wird, die schon nach kurzer Zeit bereut wird. Außerdem sollte nicht nur auf die Garantiezinsen geachtet werden, sondern die Überschussbeteiligung spielt eine ebenso große Rolle. Und hier kommt es darauf an, wie der Versicherer die Gelder seiner Kunden investiert.