Weniger Zusatzbeiträge bei gesetzlichen Krankenkassen

Neues Jahr, neues Glück – dies könnte sich für Millionen von Kassenpatienten mit dem Beginn des kommenden Jahres tatsächlich bewahrheiten. Denn zahlreiche gesetzliche Krankenkassen haben bereits angekündigt, dass der ungeliebte Zusatzbeitrag, den sie erheben dürfen, ab dem zweiten Quartal 2012 abgeschafft werden könnte.

Das versprechen die Kassen: Ein Überblick

So versprechen viele Kassen eine Abschaffung oder zumindest eine Senkung der Zusatzbeiträge. Bereits feststehende Äußerungen dazu gibt es von folgenden Kassen:

  • BKK Phoenix: Beschlussvorlage zur Abschaffung des Zusatzbeitrages ab 01.04.2012 liegt vor
  • BKK advita: ab dem zweiten Quartal geringere Kosten geplant
  • BKK Hoesch: Entscheidung über Abschaffung oder deutliche Senkung der Zusatzbeiträge wird in naher Zukunft erfolgen
  • BKK Publik: noch sind keine Entscheidungen zum Zusatzbeitrag getroffen
  • DAK und BKK Gesundheit: nach der erfolgreichen Fusion soll der Zusatzbeitrag ab 01.04.2012 abgeschafft werden, vorbehaltlich der Genehmigung durch das Bundesversicherungsamt
  • KKH-Allianz: Zusatzbeitrag soll abgeschafft werden
  • Deutsche BKK: Zusatzbeitrag soll abgeschafft werden

Es sieht für die gesetzlich Versicherten also sehr gut aus, so dass sie mit deutlichen Entlastungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung ab dem zweiten Quartal des kommenden Jahres rechnen können.

Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Derzeit ist die Konjunktur in Deutschland sehr gut, so dass sich die Kassen der gesetzlichen Krankenkassen gut füllen. Alleine in den ersten neun Monaten 2011 konnten die Kassen einen Überschuss von etwa 3,9 Milliarden Euro erzielen. Im Jahr zuvor waren zu diesem Zeitpunkt nur Überschüsse von 277 Millionen Euro vorhanden.

Neben der günstigen Konjunktur sind auch zahlreiche Spareffekte für das Plus verantwortlich die jetzt endlich greifen. Die Krankenkassen müssen zudem den Zusatzbeitrag nur dann erheben, wenn sie ihre Kosten mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht decken können. Das dürfte bei derartigen Überschüssen aber wohl kaum der Fall sein, weshalb immer mehr Kassen auf den Beitrag verzichten wollen.

Zwar fällt der Zusatzbeitrag weg, doch sollen pro Arztbesuch ab kommendem Jahr fünf Euro zu zahlen sein, anstatt der zehn Euro vierteljährlichen Praxisgebühr. Im Durchschnitt geht der deutsche Bundesbürger 18 Mal im Jahr zum Arzt.

Dämpfer von den Verbraucherzentralen

Die Verbraucherzentralen und deren Bundesverband dämpfen die Freude der Versicherten allerdings gewaltig. Sie gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten und Jahren erhebliche Mehrkosten auf die Kassen zukommen werden und damit die Überschüsse vollständig aufgebraucht werden. Dadurch könnte der Zusatzbeitrag zwar 2012 abgeschafft werden, vielleicht müsste er auch 2013 noch nicht erhoben werden, aber ab 2014 werde er mit Sicherheit wieder fällig, sind sich die Verbraucherzentralen einig.

Zum Einen sei der demographische Wandel daran schuld. Die immer älter werdende Versicherungsgemeinschaft leidet unter zunehmend mehr Erkrankungen, so dass die Kassen hier erhebliche Kosten befürchten müssten. Zum Anderen ist aber auch die Konjunktur ein wichtiger Punkt. Den Wirtschaftsexperten zufolge wird die Konjunktur in den nächsten Monaten deutlich nachlassen. Erste Prognosen sind bereits aufgestellt und zeigen, dass die Wirtschaftsexperten die Entwicklung der Wirtschaft negativ betrachten. Die Unternehmen selbst erkennen diesen Trend noch nicht. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und man schaut positiv in die Zukunft.

Doch die Vergangenheit hat bereits mehrfach bewiesen, dass negative Prognosen oft dazu führen, dass die Wirtschaft ihnen folgt, obwohl es nicht nötig wäre. Dementsprechend ist mit einem neuerlichen Einbruch in der Wirtschaft zu rechnen. Das hat zur Folge, dass die Arbeitslosigkeit steigt, damit sinkt die Kaufkraft und die Unternehmen müssen weitere Mitarbeiter entlassen. Dadurch wiederum sind weniger Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert bzw. zahlen diese nur noch geringere Beiträge ein. Somit würden die Kassen geringere Einnahmen erzielen. Diesen stünden dann die höheren Ausgaben gegenüber, so dass der Zusatzbeitrag wieder erhoben werden müsse. All diese Schwarzmalerei steht zwar noch in den Sternen, doch die Verbraucherzentralen, die einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung in der Wirtschaft und bei Verbrauchern haben, sind sicher, dass es so kommen wird. Die Freude über den gestrichenen Zusatzbeitrag dürfte dies mit Sicherheit dämpfen, wenngleich zunächst eine Entlastung tatsächlich gegeben scheint.