Schuldenkrise wirkt sich auch auf Versicherungen aus
Die Schuldenkrise in Europa ist dieser Tage in aller Munde. Dies schlägt jetzt auch auf die Versicherungen durch. Ging man im Allgemeinen davon aus, dass der für Griechenland beschlossene Schuldenschnitt sich nur auf die Banken auswirkt, so müssen Verbraucher jetzt feststellen, dass die Banken nicht die einzigen Konzerne sind, die von dem Schuldenschnitt betroffen sind.
Auch zahlreiche Versicherer haben in griechische und andere Staatsanleihen investiert und müssen diese nun zum Teil abschreiben. Derzeit stellt sich ganz Europa die Frage, ob es nach Irland und Griechenland nun auch zur Pleite Italiens kommen könnte. Würde auch hier ein Schuldenschnitt vorgenommen, hätte das massive Auswirkungen, unter anderem auf die großen Versicherungskonzerne und damit letztlich genauso auf die Endkunden selbiger.
Bereits der griechische Schuldenschnitt brachte die Allianz, eine der größten deutschen Versicherungen in Bedrängnis. Aufgrund der Abschreibungen der Staatsanleihen sanken die Gewinne um 80 Prozent. Auch in Italien hält die Allianz derzeit mehr als 26 Milliarden Euro an Staatsanleihen. Nimmt man alle deutschen Unternehmen zusammen, so wurden bereits mehr als 40 Milliarden Euro in Italien investiert, so dass ein italienischer Schuldenschnitt sich gleichfalls hierzulande bemerkbar machen würde. Die Folgen des griechischen Schuldenschnitts sind bereits zu erkennen, wie im Folgenden dargestellt.
Senkung der Eigenkapitalquoten
Zunächst einmal ist bei einem Schuldenschnitt Italiens damit zu rechnen, dass die Kurse für Staatsanleihen drastisch sinken würden. Das macht sich auch in den Büchern der Versicherungskonzerne bemerkbar. Müssen dann noch Anleihen abgeschrieben werden, wie es jüngst in Griechenland der Fall war, geht bares Geld verloren. Die Eigenkapitalquoten der Versicherer würden damit sinken.
Sinkende Erträge für Versicherungen
Ein weiteres Problem, das sich für die Versicherungskunden im Endeffekt auftun könnte, wären deutlich sinkende Erträge. Gerade die klassischen Lebensversicherungen bauen neben der Garantieverzinsung auf Überschussbeteiligungen. Aufgrund der Finanzkrise der letzten Jahre, sowie der gesunkenen Zinsen, ist damit zu rechnen, dass die Garantiezinsen weiter sinken werden.
Überschussbeteiligungen wurden bisher zunehmend aus den Rücklagen der Versicherungen ausgezahlt, was aufgrund der sinkenden Eigenkapitalquoten im zugrunde liegenden Szenario ebenfalls nicht mehr möglich sein dürfte. Damit würden Lebensversicherungen im klassischen Sinne immer weiter vom Markt verdrängt, denn sie können nicht mehr zu guten Konditionen angeboten werden. Das Neugeschäft würde einbrechen, die Lebensversicherung zum Kapitalaufbau wäre ein Relikt aus vergangenen Zeiten.
Beitragssteigerung unumgänglich
Auch Beitragssteigerungen sind schon jetzt absehbar, insbesondere im Bereich der Krankenversicherungen. Hierfür sind aber weniger die Staatsanleihen der Pleite-Staaten verantwortlich, als vielmehr der demografische Wandel in Deutschland. Die Bevölkerung wird älter und kränker, das müssen Krankenversicherungen durch höhere Beiträge ausgleichen.
Wenn Italien aussteigt
Obwohl diese Folgen der Griechenland-Krise bereits drastisch sind, dürfte sich das Ganze noch verschärfen, wenn auch Italien aussteigt. Da fragt man sich, warum die großen Versicherungskonzerne die Anleihen von Italien weiter halten. Doch gerade die Allianz hat bereits einen Teil ihrer Anleihen veräußert. Solange, wie aber kein Schuldenschnitt beschlossen ist, wäre es fast noch unrentabler, die Anleihen unter Wert zu verkaufen, als sie zu halten.
Kommt es tatsächlich soweit, müssen vor allem italienische Versicherte um ihre Verträge fürchten. Denn die deutschen großen Konzerne würden dann mit Sicherheit ihre italienischen Tochtergesellschaften in die Insolvenz schicken. Für deutsche Versicherte dagegen würde sich zunächst nichts ändern. Hier greift Protektor, die Sicherungseinrichtung der Lebensversicherer, die die Versicherten vor allzu großen Verlusten zu schützen vermag. Dennoch würden sich langfristig die Konditionen für Versicherungen deutlich verschlechtern, würde Italien Griechenlands Beispiel folgen.
Das ist wohl auch einer der Gründe dafür, warum die bekannten Gesichter der großen Versicherungen das Ganze herunter spielen. Sie sehen Italien noch nicht in so arger Bedrängnis wie Griechenland und hoffen immer noch darauf, dass sich das Land aus seinem Schuldenstand noch selbst befreien kann. Ob das allerdings so bleiben wird, ist fraglich, denn der Rettungsschirm der EU ist genauso für Italien verlockend.
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