Rettungsschirm Europas ist von China abhängig

Der europäische Rettungsschirm, EFSF, ist darauf angewiesen, globale Investoren zu finden. EFSF-Chef Regling warb deshalb auf seinem lange geplanten China-Besuch, der glücklicherweise zufällig kurz nach dem EU-Gipfel anstand, um Mittel aus China für den EFSF.

Bisher gab Regling jedoch bekannt, dass noch keine aktiven Verhandlungen geführt worden seien. Er habe in den Gesprächen mit dem Finanzministerium Chinas und der Zentralbank in Peking lediglich über die Ergebnisse des EU-Gipfels informiert. Es sei jedoch, so Regling, besonders wichtig, mit großen Investoren stets in Kontakt zu bleiben und China gehört zu diesen großen und wichtigen Investoren für den EFSF.

 

Asien ist wichtig

Ganz Asien und vor allen Dingen China gilt beim EFSF als wichtiger Kunde. Alleine in den vergangenen Monaten gingen 40 Prozent der EFSF Anleihen in die Hände von asiatischen Investoren. Von daher sei es völlig legitim, dass der EFSF jetzt um weitere Investitionen in selbigen werbe. China muss ohnehin Investitionen tätigen, da das Land jährlich zahlreiche Außenhandelsüberschüsse erwirtschafte. Damit es dafür Zinsen bekommt, müssen diese angelegt werden. Derzeit gilt China sogar als das Land, welches die größten Reserven an Devisen hält und so müsse man monatlich weitere Gelder investieren. Vorwiegend langfristige und sichere Anlagen, wie die Anleihen des EFSF seien dabei für China besonders wichtig.

Was bisher noch in den Sternen steht, ist allerdings, ob China auch bei der Hebelung des EFSF mit macht. Die Euroländer hatten sich beim EU-Gipfel darauf geeinigt, dass die Mittel des EFSF vervielfacht werden sollen. Allerdings müssen dafür erst Investmentgesellschaften gegründet werden, die eine Einzahlung von Investoren auch außerhalb der Euro-Zone ermöglichen. Die notwendigen Produkte, die für diese Hebelung verantwortlich sind, sind allerdings bis dato noch nicht entwickelt, so können sie auch noch nicht auf dem Markt angeboten werden. Von daher ist es bislang unklar, wie China diesen Produkten gegenüber stehen wird. Zunächst einmal müsste man auch sehen, wer sich überhaupt an den Hebel-Produkten beteilige, so Regling. Aufgrund der noch nicht entwickelten Hebel-Produkte sei es derzeit auch noch unklar, wie stark man sich eine chinesische Beteiligung an selbigen wünsche.

 

Bedingungen seitens China?

Die Financial Times berichtete kürzlich, dass China etwa 100 Milliarden Dollar investieren will. Allerdings heißt es  in den Berichten ebenfalls, dass die chinesische Regierung hierfür bestimmte Bedingungen stellt. So solle zumindest ein Teil der Investitionen in der Landeswährung bereit gestellt werden können. Zudem legt China großen Wert darauf, dass es nicht als einziges Land in den EFSF investiere, heißt es in den Berichten. Noch vor einigen Wochen hatte der Ministerpräsident Chinas, Wen Jiabao, sogar gefordert, dass China von Europa als Marktwirtschaft anerkannt werde, wenn Investitionen fließen sollten.

Regling sieht diese Gerüchte jedoch nur als Gerüchte an. Er wies alle Forderungen, die China gestellt haben soll, konsequent von sich und betonte, dass es keinen Handel  gebe, der politische Bedingungen akzeptiere. Dennoch bleibt die Frage groß, ob sich China an der Rettung der Euro-Zone und des Euros beteilige.

Die ersten Schritte auf den richtigen Weg

Mit den Beschlüssen des EU-Gipfels, sowie der Entscheidung, den Rettungsschirm deutlich aufzustocken, haben die Regierungen der Euro-Zone bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Das bewiesen die steigenden Kurse von DAX und anderen wichtigen Aktienindizes direkt am folgenden Tag. Dennoch ist die Rettung des Euro damit noch nicht vollständig gesichert, auch wenn der Euro seinen Kurs deutlich ansteigen ließ. Das wissen Experten nur zu gut und es kommt jetzt vor allen Dingen auch darauf an, dass sich die betroffenen Länder an die beschlossenen Sparmaßnahmen halten.

Das könnte insbesondere für Italien schwierig werden, denn die Gewerkschaften haben den Sparplanmaßnahmen Berlusconis bereits offiziell den Kampf angesagt. So wird es für die italienische Regierung sicher nicht leicht, die geforderten Sparmaßnahmen umzusetzen. Proteste und Aufruhr, wie sie schon in Griechenland zustande kamen, dürften dann auch in Italien nicht lange auf sich warten lassen.