Mit Eurobonds aus der Schuldenkrise?

Die Schuldenkrise beutelt derzeit ganz Europa. Die Pleiteländer Griechenland und Irland haben es vorgemacht und jetzt stehen sogar Länder wie Spanien und Italien auf mehr als wackeligen Füßen. Da wird der Ruf nach Lösungen laut. Ständig neue Rettungsschirme zu spannen, scheint keine langfristig sinnvolle Lösung zu sein. Experten debattieren daher seit einiger Zeit verstärkt über Eurobonds.

 

Eurobonds vs. Staatsanleihen

Den Befürwortern der Eurobonds wäre es sehr recht, würden diese die bisherigen Staatsanleihen ersetzen. Bisher sieht die Situation so aus, dass die Länder Staatsanleihen verkaufen. Die Käufer fungieren in dem Moment als Darlehensgeber. Sie verlangen natürlich Zinszahlungen für die gewährten Kredite. Die Höhe der Zinsen richtet sich nach dem Risiko, welches die Käufer der Staatsanleihen eingehen. Das Risiko war bisher immer als sehr gering einzustufen, da man davon ausging, dass die großen europäischen Länder nicht pleite gehen könnten. Demzufolge waren auch die zu zahlenden Zinsen für die Länder gering.

Da nun aber auch namhafte Länder auf wackeligen Füßen stehen, könnte das Risiko für die Anleger steigen, damit steigen unweigerlich auch die Zinsen. Die Staaten könnten keine neuen finanziellen Mittel mehr zu annehmbaren Preisen beschaffen.

An diesem Punkt setzen die Eurobonds an. Sie sehen vor, dass es keine Staatsanleihen mehr für einzelne Länder gibt, sondern Eurobonds. Diese würden zwar von einem Staat aufgenommen, für deren Rückzahlung jedoch würden alle Euro-Mitglieder gleichermaßen haften. Dadurch würde es nur noch einen Zinssatz geben, der deutlich sinken würde, weil auch Länder mit sehr hoher Kreditwürdigkeit, wie etwa Deutschland, sich an den Garantien beteiligen würden.

 

Pro Eurobonds: Keine Schuldenkrise mehr

Die heftigen Diskussionen um die Eurobonds sind Anlass genug, einmal Pro und Contra gegenüber zu stellen. Als eindeutiges Argument für den Einsatz der Eurobonds führen Befürworter das Ende der Schuldenkrise an. Hier heißt es, dass der Rettungsschirm alleine dadurch nötig wurde, weil Länder wie Griechenland, kein Kapital mehr zu tragfähigen Zinsen beschaffen konnte.

Durch die Ausgabe von Eurobonds und die dadurch sinkenden Zinsen für Krisenländer, bräuchten den Befürwortern zufolge keine weiteren Rettungsschirme mehr gespannt zu werden. Die Staaten könnten sich wieder selbst refinanzieren. Das sei derzeit die einzige Möglichkeit, da etwa der Finanzbedarf Italiens nicht mehr von einem Rettungsschirm abgedeckt werden könne.

 

Pro Eurobonds: Vergrößerung der Märkte

Auf dem Finanzmarkt sind US-Staatsanleihen seit Jahr und Tag sehr begehrt. Der Grund dafür ist die Sicherheit einerseits, aber andererseits auch die Größe des Marktes. Durch die zahlreichen Bundesstaaten wird eine höhere Liquidität erwartet. Das könnte auch die Eurozone durch die Einführung der Eurobonds schaffen.

Bisher ist der Anleihenmarkt sehr viel kleiner, da Staatsanleihen immer nur von einem Land vergeben werden. Bei Eurobonds würde die gesamte EU für die Zahlungen einstehen und könnte es demzufolge mit den USA aufnehmen. Damit hätten auch die Chinesen, die schon länger nach Alternativen zu US-Anleihen suchen, eine solche gefunden.

 

Contra Eurobonds: Steigende Zinsen für Deutschland

Gegner der Eurobonds sehen natürlich auch viele Nachteile. So ist Deutschland neben Frankreich derzeit einer der Garanten für das Bestehen der Eurozone. Aufgrund der ausgezeichneten Kreditwürdigkeit Deutschlands muss dieses nur geringe Zinsen für Darlehen zahlen. Würde Deutschland nun auch noch für die Schulden anderer Länder einstehen, müsste mit steigenden Zinsen gerechnet werden. Ein Zinsanstieg von bis zu 2,3 Prozentpunkten wird befürchtet. Hinzu kommt, dass Frankreich aufgrund hoher Haushaltsdefizite und geringen Wachstums in der Gefahr schwebt, sein Top-Ranking AAA zu verlieren. Damit wäre Deutschland das einzige größere Land der EU, welches noch eine sehr gute Kreditwürdigkeit verzeichnen könnte, was für weiter steigende Zinsen sprechen würde.

 

Contra Eurobonds: Anreize zum Sparen gehen verloren

Würden alle Länder für die Schulden der EU gemeinsam haften, dann ginge der Anreiz verloren, dass die einzelnen Länder Sparmaßnahmen ergreifen. Möglichkeiten, dem entgegen zu steuern, sehen Experten darin, dass nur ein Teil der Kapitalbeschaffung über Eurobonds erfolgen solle, der Rest über eigene Staatsanleihen. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass die Zinsen für die eigenen Staatsanleihen so hoch ausfallen, dass die Länder erneut in Schwierigkeiten geraten. Eine andere Variante wäre eine gemeinsame Finanzpolitik, was jedoch mit einer Aufgabe eines Teils der Souveränität der einzelnen Länder einher ginge. Und dazu sind gerade die großen Länder der EU (noch) nicht bereit.

 

Contra Eurobonds: Die Umsetzung ist schwer

Ebenfalls befürchten die Experten, dass Eurobonds nur schwierig am Markt einzuführen seien. Es müssten neue Institutionen geschaffen werden. Zudem müsse eine gemeinsame Finanzpolitik eingeführt werden, was wiederum eine Änderung im EU-Vertrag mit sich bringen würde. Dem stehen die Gegner der Eurobonds keinesfalls aufgeschlossen gegenüber.

So scheint es, dass Eurobonds zwar kurzfristig eine Entlastung schaffen könnten, langfristig aber keine Lösung für die Rettung der Eurozone seien.